Berührende Poesie

„Poet X“ von Elizabeth Acevedo (Rezension)

Wer dieses Buch einmal in den Händen hält, dem wird sofort eines auffallen: Die Formatierung. Denn anders als die meisten Romane, ist die Geschichte von Xiomara nicht in normalen Kapiteln, sondern in Gedichten, Aufsätzen, Listen und Poesie festgehalten.

Die Geschichte von Xiomara, die sich so oft missverstanden und ungeliebt fühlt.

Die Geschichte von Xiomara, die nicht so glaubt, wie ihre Mutter möchte.

Die Geschichte von Xiomara, der die Jungs hinterher sehen, ohne sie wirklich zu erkennen.

Die Geschichte von Xiomara, die dieses Notizbuch hat, diese Texte, in die sie sich flüchtet.

Die Geschichte von Xiomara, deren Geheimnisse niemand je erfahren darf. Nicht ihre strenggläubige Mutter, nicht ihr nichtssagender Vater, nicht einmal ihr geliebter Bruder Zwilling.

Denn wenn sie von Aman wüssten, dem Jungen, der ihr Herz höherschlagen lässt, oder dem Poetry Club, dem sie beitreten möchte, dann würde alles aus den Fugen geraten, sie würde alles verlieren. In dem Viertel, in dem sie lebt, übernehmen nicht nur Fäuste das Reden, nein. Wer sich durch Worte ausdrückt, ist schwach. Wer anders ist, wird verachtet. Wer hinterfragt, muss leiden.

Und so hält Xiomara alles aus, schweigt Tag um Tag, Woche um Woche, Jahr um Jahr, weint ihre Tränen nur auf Papier, bis es auf einmal alles aus ihr herausbricht.

Ich für meinen Teil habe das Buch nicht nur verschlungen und dabei ein paar Tränchen verloren, ich habe mich auch so gefühlt, als würde Elizabeth Acevedo direkt in mein Herz sehen. Durch diese poetische, ehrliche und berührende Art, ein Buch zu schreiben, das von dem Alltag eines Mädchens handelt, das nicht in seine Welt zu passen scheint, habe ich mich in die Handlung mehr als nur verliebt.


Einer meiner Lieblingssätze, auf Englisch, weil es so noch besser klingt:

“Late into the night I write and the pages of my notebook swell from all the words I’ve pressed onto them. It almost feels like the more I bruise the page the quicker something inside me heals.”

― Elizabeth Acevedo, The Poet X


Spannungsbogen: 4/5

Am Anfang ist die Geschichte zwar noch ein wenig unspektakulär, aber dadurch, dass wir jeden von Xiomaras Gedankengängen hautnah miterleben, kommen uns auch die kleinsten Handlungen spannend vor.

Idee: 5/5

Die Idee, eine Geschichte in Gedichten & Co. Zu erzählen, finde ich so schon phänomenal. Aber auch die Handlung ist einzigartig.

Charaktere: 4/5

Durch die eher schlichten Beschreibungen von Xiomara wurde den anderen Charakteren zwar keine besondere Tiefe gegeben, sie selbst ist aber einer der tiefgründigsten Charaktere, über die ich je gelesen habe.

Länge: 5/5

Anfang passt, Mitte passt, Ende passt.^^ Sowohl im Verhältnis, als auch von der Handlung her.

Schreibstil: 5/5

In moderner Sprache Gedichte zu schreiben, die einen so sehr mitfiebern lassen wie diese hier, ist eine wahrliche Meisterleistung, die sowohl Autorin Elizabeth Acevedo, als auch Übersetzerin Leticia Wahl perfekt beherrschen.


Wenn du über weitere Rezensionen, Gewinnspiele, Blogger*innen-Kalender und Co. informiert werden willst, folge doch gerne meinem Blog!


Meine Meinung:

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Titel: Poet X

Autorin: Elizabeth Acevedo

Verlag: Rowohlt Rotfuchs

Altersempfehlung: ab 14

So bin ich an dieses Buch gekommen: Rezensionsexemplar des Verlags

Seitenanzahl: 352 Seiten

Preis: 15,00 € (Paperback)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s