Interview mit Kathrin Schrocke

„Bücher sind ein großer Glücksfaktor in meinem Leben!“

Kathrin Schrocke

Kathrin Schrocke ist 44 Jahre alt, schreibt neben ihrem echten Namen auch unter dem offenen Pseudonym Amina Paul und hat bereits mehrere Bücher in verschiedenen Verlagen veröffentlicht -unter anderem „Immer kommt mir das Leben dazwischen“, welches ich bereits hier auf meinem Blog rezensiert habe.

Nach dem ich sie darauf angesprochen habe, hat sie sich bereit erklärt, sich von mir ein wenig über ihre Bücher und das Schreibens ausquetschen zu lassen 😉 www.kathrin-schrocke.de


Foto: Andreas Küster

Hallo Frau Schrocke. Ihr Jugendbuch „Immer kommt mir das Leben dazwischen“ war ja wirklich ein voller Erfolg. Wie sind Sie auf die Idee für diese Geschichte gekommen?

Ich habe in den letzten Jahren selbst in einem Wohnprojekt gelebt – gemeinsam mit 40 MitbewohnerInnen jeden Alters. Auslöser dafür war die Trennung von meinem Mann, mit dem ich seit der Schulzeit zusammen war. Diese Zeit war geprägt von ganz unterschiedlichen Emotionen und Erfahrungen: Trauer über den Verlust. Das unfreiwillige Ende eines Lebensabschnitts, in dem ich mich sehr zu Hause gefühlt hatte. Gleichzeitig die Erkenntnis, dass hinter jeder neuen Tür eben auch ein neues Abenteuer auf einen wartet. All das ist ganz sicher unbewusst in den Roman eingeflossen. Auf der Oberfläche ist es die Geschichte eines 13-jährigen Jungen, der virtuell berühmt werden will und dann über Umwege im echten Leben ein Held wird. Aber tatsächlich ist es ein Roman über Trauer und Neuanfang. Und die Suche nach Anerkennung und einem tieferen Sinn im Leben.

Das ist wirklich ein schöner Gedanke. Apropos 13-Jähriger Junge: Wie finden Sie den Buchdeckel von „Immer kommt mir das Leben dazwischen“? Passt er in Ihren Augen zu den Geschehnissen und der Zielgruppe? Mir persönlich hat das Cover des Buches ja sehr gut gefallen. Wie stehen Sie denn selbst dazu? Haben Sie schon einmal erlebt, dass Ihnen die Buchgestaltung unzufrieden waren?

Es war das erste Mal in meiner Laufbahn als freie Autorin, dass ein Verlag mich in die Cover- und Titelentscheidung aktiv einbezogen hat. Wir setzten uns mit jugendlichen TestleserInnen des Manuskripts zusammen und fragten nach ihren Assoziationen. Wie sollte das Cover ihrer Meinung nach wirken, um zum Inhalt zu passen? Oft werden Cover und Titelentscheidungen nach rein marktwirtschaftlichen Kriterien getroffen. Was verleitet die Kundschaft zum Kauf? Was sieht so ähnlich aus wie ein Buch, das gerade die Bestsellerliste erobert? Mixtvision, die Jugendlichen und ich haben uns hingegen gefragt: Welcher Titel und welcher Umschlag transportieren den Inhalt und die Atmosphäre des Buches? Ich persönlich finde, das ist uns gelungen. Mit vielen früheren Coverentscheidungen meiner Bücher war und bin ich sehr, sehr unglücklich. Verpackung und Inhalt müssen zusammen passen. Sonst geht ganz viel verloren.

Ist eigentlich eine Fortsetzung zu „Immer kommt mir das Leben dazwischen“ geplant, oder wird es weiterhin als Einzelband stehen?

Ich bin überhaupt keine Freundin von Fortsetzungen. Außer bei „Harry Potter“ oder „Das Lied von Eis und Feuer“ 😉

Oh ja, „Harry Potter“ ist wirklich großartig – „Das Lied von Eis und Feuer“ (bei manchen vielleicht besser bekannt unter „Game of Thrones“ 😉 konnte ich leider noch nicht lesen. 

Wie und wann haben Sie eigentlich mit dem Schreiben angefangen?

Ich habe schon zu Schulzeiten Geschichten geschrieben und immer davon geträumt, später einmal Schriftstellerin zu werden. Allerdings kannte ich keinen einzigen Autor persönlich – und meine Familie stand diesen Wünschen anfangs sehr kritisch entgegen. Zum Glück gab es aber auch immer Erwachsene in meinem Umfeld, die diesen Traum befeuert haben. LehrerInnen, die mich motiviert haben, mein Talent weiter zu entwickeln. Oder später ProfessorInnen, die mir das Selbstbewusstsein mit auf den Weg gaben, es als freie Künstlerin zu versuchen. Ohne diese moralische Unterstützung hätte es sicherlich niemals geklappt.

Gibt es etwas, das Ihnen weiterhilft, wenn Sie mal eine Schreibblockade haben, oder wie gehen Sie generell mit solchen um?

Nach der Trennung habe ich vier Jahre keinen Roman mehr geschrieben. Mir war der Humor abhanden gekommen, der für meine Jugendbücher essentiell wichtig ist. Ich war ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich jemals wieder etwas vernünftiges aufs Blatt bringen würde und machte mir Gedanken über einen ganz anderen Beruf. Dann merkte ich irgendwann: ich bin über den Berg. Es geht mir emotional wieder besser, ich kann wieder laut lachen und die vielen Erlebnisse haben sich in meiner Phantasie zu einer guten und sogar witzigen Geschichte verbunden. So entstand „Immer kommt mir das Leben dazwischen“. Das einzige was wichtig war, war Geduld. Man muss also keine Angst vor Schreibblockaden haben. Selbst, wenn sie einige Jahre dauern.

Haben Sie noch weitere Tipps für junge Autoren und Autorinnen?

Meinen Weg in die Schriftstellerei hat damals vor allem eine Internetseite geebnet, auf der ich Informationen zu Schreibwettbewerben, Weiterbildungen und Verlagen fand: https://www.autorenwelt.de/ (früher hieß diese Seite nach der Begründerin: http://www.uschtrin.de).

Wenn Sie sich entscheiden müssten: Welches ihrer Werke ist ihr absolutes „Lieblingsbuch“ und welches ihr „Herzensprojekt“?

Das Lieblingsbuch meiner LeserInnen ist ganz klar „Freak City“, die komplizierte Liebesgeschichte zwischen einem hörenden Jungen und einem gehörlosen Mädchen. Da es politisch einiges bewegt hat, ist es vielleicht auch das wichtigste meiner Bücher. Das für mich bedeutendste Buch ist „Immer kommt mir das Leben dazwischen“, weil es mir aus einer privaten Krise herausgeholfen hat. Mein Herzensbuch ist „Finding Alex“ – einfach weil es mein erster Jugendroman war und darüber hinaus eines der ersten deutschsprachigen Jugendbücher, das sich dem Thema Transidentität widmet. Damals war dieses Wort noch vollkommen unbekannt und ich hatte große Schwierigkeiten, einen Verlag zu finden.

Was würden Sie als den größten Erfolg ihrer Karriere bezeichnen?

Meine Nominierung für den Deutschen Kinder- und Jugendliteraturpreis für „Freak City“. Als Jugendliche habe ich in der Bibliothek immer nach Büchern gesucht, die auf dieser Liste standen. Niemals hätte ich es für möglich gehalten, selbst einmal darauf zu landen.

Welcher war der beste Buchmoment Ihres Lebens?

Als Teenager haben mir Bücher oftmals das Leben gerettet. Es gab damals kein Internet – und im Fernsehen keine wirklich guten Dokumentationen. Wenn man irgendwie aus der Reihe tanzte, fühlte man sich schnell wie ein absoluter Außenseiter und sehr allein. Es war jedes Mal ein Aha-Effekt, wenn ich in einem Buch Gedanken, Werte oder Haltungen fand, die meinem Denken entsprachen. Ich fühlte mich dann schlagartig nicht mehr isoliert und wusste, es gibt unendlich viele Facetten des Lebens. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“ und vor allem keine „Normalität“. Vermutlich bin ich aufgrund dieser intensiven Lese-Erfahrung auch Jugendbuchautorin geworden.

Würden sie eher nie wieder lesen oder nie wieder schreiben? 

Ich würde freiwillig nie wieder schreiben. Denn nicht mehr lesen zu dürfen ist wirklich eine fürchterliche Vorstellung für mich. Meine Haltung zur Welt habe ich in etlichen Büchern ausgedrückt – diese Gewissheit beruhigt mich. Aber es gibt noch so viel, dass ich lernen und mir „erlesen“ will. Bücher sind ein großer Glücksfaktor in meinem Leben!

Dürfen wir uns in Zukunft über weitere Bücher von Ihnen freuen oder ist sogar schon eines in Planung?

Es gibt mehrere Themen, die mich schon seit Jahren begleiten. Gut möglich, dass daraus irgendwann ein Romanstoff wird. Aktuell arbeite ich an keinem neuen Buch – ich werde die nächsten Monate mit „Immer kommt mir das Leben dazwischen“ auf Lesereise sein und habe in der Phase sowieso keine Zeit, in Ruhe zu schreiben. Danach werde ich mich ganz sicher aber wieder dem Schreiben widmen. Was ich jedoch parallel mache: Ich entwickle gemeinsam mit zwei Illustratorinnen Bilderbücher zum Thema „Traumatisierung“. Das ist ein sehr spannendes Feld, das außerhalb des normalen Buchmarkts stattfindet. Die Auftraggeber sind keine Verlage, sondern Institutionen wie die Polizei oder die Bundeswehr. Wer sich dafür interessiert, kann auf meiner Internetseite mehr erfahren (www.kathrin-schrocke.de).

Was wünschen Sie sich noch für die Zukunft für sich und ihre Bücher und wie können Ihre Fans sie dabei unterstützen?

Meine realistischen Jugendromane richten sich an eine sehr kleine Zielgruppe, haben meist politische oder gesellschaftskritische Inhalte und laufen schon deshalb nicht Gefahr, Bestseller zu werden. Für Autorinnen wie mich ist es also enorm wichtig, dass die Bücher die richtigen Leute erreichen, um nicht sofort wieder vom Markt zu verschwinden. 

Die meisten meiner Jugendbücher gibt es schon nicht mehr im Buchhandel – einfach weil die Nachfrage zu gering war und die Verkaufszahlen zu klein. Insofern kann man meine kreative Arbeit unterstützen, in dem man auf mich und meine Bücher aufmerksam macht. SchülerInnen können meine Bücher als Klassenlektüre vorschlagen, Lehrkräfte oder BibliothekarInnen können mich zu Lesungen einladen oder LeserInnen können in ihrer Buchhandlung darum bitten, dass meine Bücher ins Sortiment aufgenommen werden. Die sozialen Medien sind ebenfalls von zentraler Bedeutung – Instagram, Facebook oder Literaturblogs wie dieser. An der Stelle bedanke ich mich herzlich für das Interview – denn auch das ist eine schöne Möglichkeit, mich und meine künstlerische Arbeit zu präsentieren.

Auch ich sage vielen Dank für das Interview und dass Sie sich Zeit genommen haben, meine Fragen zu beantworten! Es war wirklich schön, einmal zu lesen, was Sie von meinen ganzen Fragen halten. Ich wünsche Ihnen auch weiterhin ganz viel Spaß und Freude mir Ihren Büchern!


(Hier habe ich "Immer kommt mir das Leben dazwischen" auf meinem Instagram-Feed in Szene gesetzt^^)

(Hier habe ich „Immer kommt mir das Leben dazwischen“ auf meinem Instagram-Feed in Szene gesetzt^^)

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